Kompetenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie, zertifiziert durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV)

Nebenschilddrüse

Lage der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen, © Henrie_Fotolia

Lage der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen

Obwohl die Nebenschilddrüsen ganz eng an der Schilddrüse liegen, haben Schilddrüsen eine völlig andere Funktion: Schilddrüsen regulieren die Stoffwechselaktivität des Körpers, Nebenschilddrüsen regulieren lediglich die Kalziumkonzentration und haben keinen Einfluss auf den sonstigen Stoffwechsel.

Die Schilddrüse liegt in der unteren Halspartie vor dem Kehlkopf und der Luftröhre, direkt unter der Haut. Sie hat eine schmetterlingsähnliche Form mit zwei Seitenlappen und eine maximale Länge von ca. 5 cm. Die 4 Nebenschilddrüsen sind ca. erbsengroß und liegen jeweils oben und unten hinten an der Schilddrüse.

Vor einer Nebenschilddrüsenoperation wird auch die Schilddrüse genau untersucht, damit keine ebenfalls operationspflichtigen Schilddrüsenveränderungen übersehen werden.

Erkrankungen der Nebenschilddrüse

  • Gutartige überaktive Nebenschilddrüsengeschwulst
    Auch Nebenschilddrüsenadenom, Nebenschildrüsenhyperplasie oder primärer Hyperparathyreoidismus genannt. Eine Ursache oder Auslöser der plötzlichen Vergrößerung meist nur einer Nebenschilddrüse ist bei dieser Erkrankung nicht bekannt. Eine Erhöhung des Serum-Kalziums durch mindestens drei Bestimmungen an verschiedenen Tagen gesichert und eine Erhöhung des Parathormonspiegels im Serum sprechen mit über 95%iger Wahrscheinlichkeit für einen primären Hyperparathyreoidismus und damit dem Vorliegen eines Nebenschilddrüsenadenoms. Der primäre Hyperparathyreoidismus wird durch eine operative Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse geheilt. Es soll operiert werden, wenn die Erkrankung durch die Laborwerte erhöhter Kalziumserumspiegel und / oder erhöhter Parathormon-Spiegel nachgewiesen ist. Bei asymptomatischem primären Hyperparathyreoidismus und gering erhöhtem Serumkalzium (< 2,85 mmol/I) kann unter der Voraussetzung regelmäßiger Kontrolluntersuchungen zunächst abgewartet werden.

  • Nebenschilddrüsenkarzinom
    Die bösartige Veränderung eines Nebenschilddrüsenadenoms wird oft erst in der normalen feingeweblichen Untersuchung des Nebenschilddrüsengewebes vom Pathologen am Tag nach der Operation festgestellt. Während der Operation ist ein Adenom verdächtig, wenn es sich schlecht aus seiner Umgebung herauslösen lässt, sehr verklebt und verbacken ist. Sowohl beim dringenden Verdacht auf einen bösartigen Tumor als auch beim Nachweis eines bösartigen Tumors muss eine ausgedehnte Operation durchgeführt werden, damit nicht kleinste Tumorreste übersehen werden und die Geschwulst nach einiger Zeit nicht wiederkommt. Die gleichseitige Schilddrüse wird komplett mitentfernt, das Lymphgewebe an den Blutgefäßscheiden ebenfalls. Sind Lymphknoten der Region von Tumorgewebe befallen, wird über einen größeren längsverlaufenden seitlichen Halsschnitt alles Lymphgewebe dieser Halsseite entfernt.

  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus / renale Osteodystrophie (renale Rachitis)
    Hier handelt es sich um eine chronische, wahrscheinlich erbliche Störung, charakterisiert durch Nierenfunktionsstörung, Verlust an Knochenmineralien und rachitistypischen Veränderungen, Kalziumablagerungen an abnormalen Stellen und um eine Überaktivität der Nebenschilddrüsen, die versuchen, die Folgen der Nierenunterfunktion auszugleichen. Wegen der Nierenfunktionsstörung kommt es zu einem Kalziumverlust und einer Phosphatretention (Phosphateinspeicherung). Dies führt zu einer Überproduktion von Parathormon, welches in der Demineralisation des bestehenden Knochens resultiert und in der Unfähigkeit, neu gebildeten Knochen zu kalzifizieren. Dabei vergrößern sich die Nebenschilddrüsen infolge ihrer ständig gesteigerten Sekretionsleistung an Parathormon. Hier sind im Prinzip alle Nebenschilddrüsen betroffen, nicht nur eine wie beim primären Hyperparathyreoidismus.
  • Nebenschilddrüsenveränderungen bei multipler endokriner Neoplasie Typ 1 (MEN 1)
    Eine MEN 1 (multiple endokrine Neoplasie Typ 1) besteht wie die MEN 2 aus mehreren hormonbildenden Tumoren, wobei bei der MEN 1 kein bösartiger Tumor beteiligt sein muss. Die Erkrankung wird durch ein inzwischen bekanntes Gen vererbt. Die multiple endokrine Neoplasie vom Typ 1 ist durch das Auftreten von fast immer gutartigen Tumoren der Nebenschilddrüsen, der Hirnanhangsdrüse und Anteile der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet, welche Hormone produzieren.

  • Nebenschilddrüsenveränderungen bei multipler endokriner Neoplasie Typ 2 (MEN 2)
    Eine MEN 2 (multiple endokrine Neoplasie Typ 2) besteht wie die MEN 1 aus mehreren hormonbildenden Tumoren, wobei immer ein bösartiger Schilddrüsentumor vom medullärenTyp vorhanden ist. Diese Schilddrüsentumorart ist gekennzeichnet durch ein bösartiges Wachstum der sogenannten C- Zellen der Schilddrüse, das ist die Zellart der Schilddrüse, die Calcitonin produziert. So kann man durch einen erhöhten Kalzitoninspiegel im Blutserum auf ein medulläres Schilddrüsenkarzinom schließen.
    Es hat die Besonderheit, dass es als erblicher Tumor vorkommt und dass man heute bereits die Chromosomenänderung, die zu seinem Auftreten führt, kennt. Meist ist bei Patienten mit MEN 2 mehr als eine Nebenschilddrüse vergrößert.

  • Schädigung der Nebenschilddrüse als Komplikation einer Schilddrüsenoperation
    Bei 1-3 von 100 Patienten, bei denen die gesamte Schilddrüse entfernt werden muss, kommt es zur Schädigung eines oder beider Stimmbandnerven und es entwickelt sich eine vorübergehende oder bleibende Heiserkeit. Eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüse ist meist vorausgehender Art und kommt bei ca. 3-5% aller Patienten vor.
    Die Verletzung oder Entfernung aller Nebenschilddrüsen führt zu einem erniedrigten Gehalt von Kalzium im Blut. Das kann zu Gefühlsstörungen oder Kribbeln in Armen, Beinen und um den Mund herum oder auch zu Muskelkrämpfen führen. Glücklicherweise können diese Störungen des niedrigen Kalziumgehaltes im Blut durch die tägliche Einnahme Kalzium (nötigenfalls zusätzlich von Vitamin D) gut behandelt werden. Das Therapieziel ist erreicht, wenn der Serumkalziumspiegel wieder den unteren Normbereich erreicht hat. Die meisten Patienten erholen sich spontan innerhalb weniger Tage bzw. Wochen.
Seite zuletzt aktualisiert am 11.05.2018