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Gesundheitscampus Merheim - Strategische Ziele und Vorteile

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Viele Krankenhäuser arbeiten in Gebäuden, die aus einer völlig anderen Zeit stammen und deren räumliche Strukturen nicht mehr zu den Anforderungen moderner Medizin passen. Die technischen Anlagen sind häufig veraltet, die Wege innerhalb der Gebäude lang und unübersichtlich, und die räumliche Trennung wichtiger Funktionsbereiche erschwert effiziente Abläufe. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Bevölkerung an Qualität, Sicherheit und Komfort.

Der demografische Wandel stellt alle Kliniken vor zusätzliche Herausforderungen: Die Zahl älterer Menschen nimmt stetig zu, und mit ihr die Häufigkeit chronischer und komplexer Erkrankungen. Diese Patientengruppe benötigt oft eine eng abgestimmte, interdisziplinäre Versorgung, die in fragmentierten Strukturen nur schwer zu gewährleisten ist. Parallel dazu verschärft sich der Fachkräftemangel, insbesondere in der Pflege und in spezialisierten medizinischen Bereichen. Krankenhäuser müssen daher Wege finden, Personal effizienter einzusetzen und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Visualisierung des Gesundheitscampus Merheim, Bild: Kliniken Köln/ Citrus3D

Bündelung der Kompetenzen

Die Kliniken der Stadt Köln betreiben derzeit drei große Krankenhäuser in Merheim, Holweide und das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße. Diese Standorte verfügen über zahlreiche parallele Strukturen, die hohe Kosten verursachen und die Organisation erschweren. Die räumliche Trennung führt zudem oft zu zeitkritischen Verlegungen, die die Sicherheit der Patient*innen beeinträchtigen können. Vor diesem Hintergrund wurde im Juni 2023 vom Rat der Stadt Köln entschieden, die medizinischen Angebote auf einem zentralen Gesundheitscampus in Merheim am Standort von einem der beiden Maximalversorger in Köln zu bündeln.

Ziel ist es, moderne, leistungsfähige und zukunftssichere Strukturen der stationären Versorgung in Köln zu schaffen, die eine qualitativ hochwertige Versorgung ermöglichen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sind.

Verbesserung der Behandlungsqualität

Die Zentralisierung verfolgt mehrere strategische Ziele, die weit über eine reine bauliche Modernisierung hinausgehen. Ein zentrales Anliegen ist die Bündelung medizinischer Kompetenzen an einem Standort. Durch die räumliche Nähe der Fachbereiche können interdisziplinäre Abstimmungen schneller erfolgen, was die Behandlungsqualität verbessert und die Versorgung beschleunigt. Die Wege für Patient*innen, Personal und Material werden kürzer, und die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen wird erleichtert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reduktion von Doppelstrukturen. Derzeit existieren an den drei Standorten jeweils eigene Notaufnahmen, Radiologien, Intensivstationen und Funktionsbereiche. Diese Mehrfachvorhaltungen sind kostenintensiv und erschweren die Personalplanung in Zeiten des Fachkräftemangels erheblich. Durch die Zusammenführung entsteht eine moderne Infrastruktur, die auf die Bedürfnisse eines großen Klinikverbunds zugeschnitten ist. Personal kann effizienter eingesetzt werden, und die technische Ausstattung wird zentral gebündelt.

Ausrichtung auf die Zukunft

Die Zahl der Planbetten wird im Zuge der Neuordnung um 313 reduziert. Diese Anpassung entspricht aktuellen Entwicklungen in der Krankenhausplanung, die stärker auf ambulante und tagesklinische Versorgung setzen. Daniel Dellmann, Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln, erklärt anlässlich der Vorstellung der ersten Visualisierung des künftigen Gesundheitscampus am 13. März 2026: „Wir schaffen mit dem Ausbau des Gesundheitscampus Merheim nicht nur neue Gebäude, sondern vor allem neue Strukturen für eine moderne Krankenhausversorgung. Durch die Zusammenführung der bisherigen Standorte können wir medizinische Kompetenzen bündeln, Abläufe deutlich effizienter gestalten und gleichzeitig noch attraktivere Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden schaffen. Der Campus ist damit ein zentraler Baustein, um die Kliniken Köln langfristig wirtschaftlich stabil und medizinisch leistungsfähig aufzustellen.“

Die vom Gesetzgeber vorgegebene Krankenhausfinanzierung ändert sich in naher Zukunft umfassend. Aufgrund des Fortschritts in der Medizin werden künftig viel mehr Behandlungen als heute ambulant erbracht. Die Abrechnung kann zunehmend nur nach künftig geltenden „Hybrid-DRG“ erfolgen. Dies hat Auswirkungen auf die Raumplanung in Krankenhäusern und wird auf dem Gesundheitscampus Merheim bei der Bauplanung von vorne herein berücksichtigt. Gleichzeitig wird die stationäre Versorgung durch moderne Räume, optimierte Abläufe und spezialisierte Einheiten qualitativ verbessert. Die Reduktion der Betten bedeutet daher in keiner Weise eine Verschlechterung der Versorgung, sondern eine Anpassung an moderne Versorgungsmodelle.

Attraktiver Arbeitsplatz

Der neue Gesundheitscampus soll zudem ein noch attraktiverer Arbeitsplatz für Mitarbeitende sein. Moderne Arbeitsumgebungen, zukunftsorientierte Medizintechnik, klare Prozesse und eine bessere räumliche Organisation sollen dazu beitragen, Personal zu gewinnen und langfristig zu binden. Die Zentralisierung erleichtert die Personalplanung, verbessert die Ausbildungsmöglichkeiten und stärkt die Attraktivität des Standorts.