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Geschichte

Cäcilienkloster - Fliegerhorst - Großkrankenhaus
Zur Entwicklung der Kliniken der Stadt Köln und zum stadtkölnischen Hospitalwesen

Wie in vielen deutschen Städten gehörten auch im mittelalterlichen Köln die Kirchen und Ordensgemeinschaften zu den Begründern der städtischen Spitäler oder sie gingen auf fromme Stiftungen zurück. Das Domspital und das Hospital St. Heribert am Andreasstift zählen zu den ältesten urkundlich erwähnten Einrichtungen. Im 13. Jahrhundert wurde das Hospital Heiligkreuz in der Breitestraße gegründet, Ende des 14. Jahrhunderts das Allerheiligenhospital (Eigelstein) und das Hospital Ipperwald, Kattenbug/Zeughausstraße, das auch fremde Pilger aufnahm und betreute.

Vom 18. Jahrhundert bis in die napoleonische Zeit hinein waren die wichtigsten Hospitäler das "Zur weiten Tür" genannte Hospital in der Severinstraße (gegr.1419) und St. Revilien in der Stolkgasse, Gründung nach 1450. In der Regel handelte sich bei allen Einrichtungen um kleine Hauskomplexe mit wenig akut erkrankten Insassen. Meist fanden mittellose Pfründner und Sieche Aufnahme und Unterhalt. Das erste Hospital im Besitz der bürgerlichen Gemeinde war das Brigidienhospital, das schon im 12. Jahrhundert als Eigentum der Burggenossenschaft vermerkt war. Aussätzige (an Lepra erkrankte) fanden in sogenannten Leprosenhäusern, dem bekanntesten auf Melaten, Aufnahme. Im Jahre 1786 entschied der Rat, das Hospital Ipperwald zu einem "Bürgerlichen Krankenhaus und Klinischen Institut", umzuwandeln, in dem nur arme männliche Patienten mit "geschwind vorübergehenden und heilbaren Krankheiten" Aufnahme finden sollten.

Somit war das reichsstädtische Köln bis zum Eintreffen der Franzosen im Oktober 1794 noch ganz den Traditionen des Mittelalters und der frühen Neuzeit verhaftet. Eine Vereinheitlichung der auf städtische Organe, universitäre Gremien, kirchliche Einrichtungen und private Initiativen verstreuten Funktionen und Zuständigkeiten gelang nicht. Durch die Bestellung von "Provisoren", angesehenen Bürgern, die weitere Ehrenämter in der städtischen Verwaltungshierarchie bekleideten, sicherte sich der Rat die Aufsicht über die Verwaltung und Vermögensangelegenheiten der Einrichtungen. Der wichtigste Schritt zur Neuorganisation des städtischen Gesundheitswesens und zur Medikalisierung der bürgerlichen Gesellschaft waren die Einrichtung einer öffentlichen, nicht mehr auf privaten Initiativen beruhenden Armenpflege (Bureau bienfaisance), die sog. Armenverwaltung sowie die Schaffung der Verwaltung der Hospitäler (Bureau des hospices).

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Dekret von Napoleon

Auf institutioneller Ebene war das Dekret Napoleons vom 30. Messidor d. J. XIII (19. Juli 1805) von entscheidender Bedeutung. Hiermit wurden die Klöster St. Cäcilien und St. Michael der Hospitalverwaltung zur Aufnahme erkrankter Bürger und Militärs geschenkt. Dieses sogenannte alte Bürgerhospital, an der Cäcilienstraße - Sternengasse - heute VHS - gelegen, bildetet die Keimzelle der heutigen Städtischen Kliniken und diente zusätzlich der Unterbringung von Irren und Siechen, die den Hauptteil der Insassen des Hospitals darstellten.

Nach Plänen des Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer (1797-1869) erfolgte in den Jahren 1843-1847 ein für die Rheinlande richtungsweisender Neubau im Korridorbaustil, ähnlich der späteren Berliner Krankenanstalt Bethanien (1845-1847), der initial ca. 750 Personen (akut Erkrankte und Pfründner, d. h. unterstützungsbedürftige Senioren) versorgen konnte.

1871 wurde die Armenverwaltung und damit auch die Krankenanstalten in die städtische Verwaltung integriert, 1893 wiederum eine eigene Deputation für Krankenanstalten geschaffen.

Im März 1905 erhielt die Stadt Köln mit der Wahl von Dr. Peter Krautwig zum besoldeten Beigeordneten den ersten Arzt in einer Verwaltungsspitzenposition.

Der rasche Anstieg der Bevölkerung während der Epoche der Hochindustrialisierung sowie mehre Cholera- Epidemien zwangen 1888 die städtische Verwaltung zur Errichtung des Augustahospitals auf dem Gelände des ehemaligen Fort V des preußischen Festungsrayons (Südbahnhof, Otto-Fischer. Str., Zülpicher Str. , Luxemburger Wall) als weiteren Betriebsteil der städtischen Kliniken. Heute befindet sich hier ein projektiertes Neubaugelände der Universität zu Köln.

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Als Vorläufer der heutigen städtischen Kinderklinik Amsterdamer Straße, Riehl, wurde 1883 das von Oppenheimsche Kinderhospital in der Buschgasse in Folge der großherzigen Spende der Freifrau Charlotte von Oppenheim an die Stadt Köln gestiftet.

Das Waldkrankenhaus zu Rosbach an der Sieg geht auf die stadtkölnische Auguste-Viktoria - Stiftung im Rahmen der Heilstättenbewegung für Tuberkuloseerkrankte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurück (eröffnet 1902). Der Betrieb wurde im Mai 2002 eingestellt und die "internistische Lungenabteilung" in die Lungenklinik in Merheim integriert.

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Eingangstür Waldkrankenhaus

Die "Lindenburg", seit 1871 in städtischem Besitz zur Unterbringung der "Irren", wurde 1896-1898 sowie 1906-1908 zu einem weiteren großen Krankenhaus um- und ausgebaut. Diese Einrichtung diente neben Bürger- und Augustahospital dem akademischen Unterricht an der 1904 gegründeten stadtkölnischen "Akademie für praktische Medizin", ab 1919 Medizinische Fakultät der Universität zu Köln. Bis 1954 wurde die "Lindenburg" unter städtischer Regie betreut, heute ist sie das "Klinikum der Universität zu Köln", Anstalt des öffentlichen Rechtes.

Die enge Verbindung der ehemals städtischen Universität zu den heutigen Kliniken der Stadt Köln wird durch die Ansiedlung des II. Lehrstuhls der Medizinischen Universitätsklinik in Merheim besonders deutlich. Infolge Sparvorgaben des Landes NRW wurde der II. chirurgische Lehrstuhl nach Emeritierung des jetzigen Inhabers nicht wieder besetzt. Daher gingen die Kliniken ab 13. 6. 2003 eine Kooperation mit der privaten Universität Witten-Herdecke ein. Diese hat einen Lehrstuhl für Viszeral- und Transplantations-Chirurgie, einen für Traumatologie / Orthopädie sowie einen Lehrstuhl für Anästhesiologie in Merheim etabliert. Nach Abschluss eines Kooperationsvertrages im Jahre 2010 ist der Betriebsteil Merheim "Klinikum der Universität Witten/Herdecke" und Universitäts -Campus. Nunmehr sind hier die Lehrstühle für Anästhesie II, Innere Medizin II, Chirurgie I, Unfallchirurgie/Orthopädie, Plastische Chirurgie sowie Strahlentherapie vertreten. Merheim, Holweide sowie Kinderklinik in Riehl sind zudem Akademische Lehrkrankenhäuser der Universität zu Köln, Merheim ist Ausbildungskrankenhaus im Reformstudiengang Medizin der Universität Witten-Herdecke.

Infolge der Wirren des 2. Weltkrieges, den massiven Zerstörungen von Bürger- und Augustahospital, der deutlichen medizinischen Unterversorgung der Bevölkerung auf der rechten Rheinseite und der zwingenden Notwendigkeit, die im Krieg ausgelagerten städtischen Ausweichkrankenhäuser (u.a. Godeshöhe, Rolandseck, Pädagogium Bonn, Neuenahr, Hausen) und Abteilungen (Schule Thurner Str. Roßbach u. a.) rasch wieder zu sammeln, erfolgte ab 1945 auf dem Gelände und in den nahezu unzerstörten Gebäuden des ehemaligen Fliegerhorstes Ostheim in der Gemarkung Köln - Brück die sukzessive Einrichtung der "Krankenanstalt Köln-Merheim rechtsrheinisch". Hier hat sich der städt. Beigeordnete Dr. Vonessen als Leiter des Amtes Krankenanstalten bleibende Verdienste erworben.
Diese Politik der Stadtverwaltung mit Ausbau der rechtsrheinischen Krankenhäuser wurde mit dem Neubau des Krankenhauses Holweide 1972 an der Neufelder Str. und der Errichtung des Klinikum-Gebäudes in Merheim 1983 abgeschlossen.

Auf dem Gelände des kriegszerstörten Bürgerhospitals (zuletzt noch Polikliniken Chirurgie und Innere Medizin /Merheim bzw. Lindenburg sowie Geschlechtserkrankten-Erfassung) wurde der Krankenhausbetrieb 1964 eingestellt.

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Dialyse um 1960

Heute präsentieren sich die Kliniken der Stadt Köln in drei Betriebsteilen (Klinikum Merheim, 752 Betten, Krankenhaus Holweide, 465 Betten sowie Kinderkrankenhaus Riehl, 292 Betten (davon 60 für die neue Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie) als moderner Dienstleister mit Tradition. Die Zentralverwaltung, die Schule für Gesundheits-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie das Institut für Fort- und Weiterbildung sind beim Betriebsteil Holweide angesiedelt.

Mit Beschluss des Rates der Stadt Köln vom 25.03.2004 wurde die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH beschlossen, um sich bei den sich abzeichnenden, drängenden Umstrukturierungsprozessen im Gesundheitswesen am Markt optimal positionieren zu können. Nach Abschluss eines Ausgliederungsvertrags mit der Stadt Köln und Eintragung in das Handelsregister wurde die Umwandlung der Rechtsform in die "Kliniken der Stadt Köln gGmbH" im Juli 2004 abgeschlossen.

Dr. med. Friedrich H. Moll, FEBU
Urologische Klinik der Stadt Köln, Krankenhaus Holweide (CA Priv. Doz. Dr. J. Leißner)
Urologischer Arbeitsplatz im Klinikum Merheim


Seite zuletzt geändert am 27.07.11

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