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Kinderkrankenhaus Amsterdamer Str.
Fieberkrämpfe-Info
Was sind Fieberkrämpfe?
Fieberkrämpfe sind Anfälle, die ausschließlich während fieberhafter Infekte im frühen Kindesalter auftreten. Der Anfall entsteht im Gehirn, wo es zur gleichzeitigen Entladung einer großen Anzahl von Nervenzellverbänden kommt. Bei Fieberkrämpfen liegt keine Erkrankung des Gehirns wie z.B. eine Hirnhautentzündung vor. Vielmehr beruhen die Anfälle auf einer Veranlagung, bei Fieber mit Anfällen zu reagieren.

Wer bekommt Fieberkrämpfe?
Fieberkrämpfe sind häufig. 3-5 % aller Menschen haben in ihrem Leben einen oder mehrere Fieberkrämpfe gehabt. Kinder aus Familien, in denen bereits Fieberkrämpfe vorkommen, erkranken häufiger. Fieberkrämpfe treten fast ausschließlich in den ersten 5 Lebensjahren auf, am häufigsten im zweiten Lebensjahr.

Sind Fieberkrämpfe gefährlich?
Ein einzelner kurzer Fieberkrampf fügt Ihrem Kind keinen dauerhaften Schaden zu. Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Vorurteil schädigt nicht jeder Anfall das Gehirn. Auch die langfristige (geistige) Entwicklung von Kindern mit Fieberkrämpfen ist genauso gut, wie die ihrer Geschwister. Hört der Anfall jedoch nicht von alleine auf und dauert länger als eine ¼ Stunde, so besteht die Möglichkeit, dass Ihr Kind möglicherweise doch Schaden nehmen könnte. Deswegen muss ein lang andauernder Fieberkrampf unbedingt medikamentös beendet werden.

Welche Untersuchungen werden bei Fieberkrämpfen durchgeführt?
Im Folgenden werden die häufigsten Untersuchungen erklärt. Nicht alle dieser Untersuchungen sind immer notwendig, so dass bei Ihrem Kind wahrscheinlich nur ein Teil der Untersuchungen durch geführt wird.
Wie bei anderen fiebernden Kindern auch, wird nach der Ursache des Fiebers geforscht. Dies beinhaltet in der Regel neben der körperlichen Untersuchung eine Blutentnahme und eine Urinuntersuchung.

Nervenwasseruntersuchung
Beim ersten Fieberkrampf eines Kindes wird häufig eine Nervenwasseruntersuchung (Lumbalpunktion, abgekürzt LP) durchgeführt. Mit Hilfe dieser Untersuchung kann festgestellt werden, ob dem Fieberkrampf nicht doch eine Hirnhautentzündung oder eine Entzündung des Gehirnes zugrunde liegt. Dies ist besonders wichtig bei sehr kleinen Kindern oder wenn der Bewusstseinszustand des Kindes nach dem Anfall noch beeinträchtigt ist. Bei der Untersuchung wird mit einer Nadel in den unteren Teil des Rückens gestochen, um etwas Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal abzulassen. Das Rückenmark selbst wird dabei nicht berührt und nicht verletzt! Die Untersuchung ist nicht gefährlicher als eine Blutentnahme und kann dem Arzt entscheidende Informationen zur Behandlung Ihres Kindes liefern.

Hirnstromableitung (EEG)
Mit dem EEG können die geringen elektrische Ströme, die im Gehirn entstehen, gemessen werden. Das erlaubt dem Arzt einen gewissen Einblick in den Zustand des Gehirnes ihres Kindes. Die Untersuchung ist schmerzlos und ungefährlich. Mit dem EEG können Hinweise auf eine erhöhte Anfallsbereitschaft gewonnen werden.

Können erneut Fieberkrämpfe auftreten?
Bei 1/3 aller Kinder, die einen Fieberkrampf hatten, treten weitere Fieberkrämpfe auf. Ab dem Alter von 5 Jahren treten Fieberkrämpfe nur noch selten auf.

Hat mein Kind eine Epilepsie?
Nein. Fieberkrämpfe und Epilepsie sind etwas grundsätzlich Verschiedenes. Fieberkrämpfe sind Anfälle, die nur bei Fieber und in einem bestimmten Lebensalter auftreten. In aller Regel heilen sie von alleine aus und bedürfen keiner medikamentösen Dauerbehandlung. Epilepsien sind dagegen gekennzeichnet durch das wiederholte Auftreten von Anfällen ohne Fieber. 3-5% aller Kinder mit Fieberkrämpfen bekommen später eine Epilepsie. Die überwältigende Mehrheit der Kinder mit Fieberkrämpfen, nämlich 95-97 von 100 Kindern bleibt gesund.

Muß man Fieberkrämpfe behandeln?
Wenn Ihr Kind einen Fieberkrampf hatte, sollten Sie eine Rektiole zu Hause haben, um gegebenenfalls einen länger andauernden Anfall unterbrechen zu können. Da sich Fieberkrämpfe nur bei einem Drittel der Kinder wiederholen, und in aller Regel eine gutartige Erkrankung darstellen, ist eine vorbeugende Behandlung meistens nicht notwendig. Manchmal wird empfohlen, während der ersten zwei Tage einer fieberhaften Erkrankung fiebersenkende Medikamente (Paracetamol) und gleichzeitig ein anfallshemmendes Medikament (Diazepam) zu geben. Eine Dauerbehandlung ist nur in seltenen Ausnahmefällen notwendig.Sind Fieberkrämpfe erblich ?
Die Wahrscheinlichkeit, dass Geschwisterkinder auch Fieberkrämpfe haben, liegt bei 10%. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn in der näheren Familie bereits andere Fieberkrämpfe oder eine Epilepsie haben. In einigen Familien haben Vater oder Mutter auch Fieberkrämpfe gehabt. Das zeigt gut, dass Fieberkrämpfe vorübergehende Ereignisse sind, die in aller Regel keine bleibenden Beeinträchtigungen hinterlassen.

Entwickeln sich Kinder mit Fieberkrämpfen normal ?
Große Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Kinder mit Fieberkrämpfen in aller Regel genauso gut entwickeln und die selben Schulen besuchen wie ihre Geschwister.Was soll ich tun, wenn mein Kind wieder einen Fieberkrampf hat ?
Versuchen Sie ruhig zu bleiben und bleiben Sie bei Ihrem Kind! Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind durch die Bewegungen des Anfalls nicht verletzen kann und dass es frei atmen kann. Lagern Sie es etwas auf die Seite, dass der Speichel abfließen kann. Nach dem Anfall sollten Sie Fieber messen und durch Fieberzäpfchen und /oder kalte Wickel das Fieber senken und einen Arzt informieren.
Sollte der Anfall nicht innerhalb von etwa 3 Minuten aufhören, geben Sie eine Rektiole (meist Diazepam). Denken Sie daran, dass Sie durch Hektik mehr Zeit verlieren als gewinnen. Und: Auch wenn der Anfall dramatisch erscheint, es kommt nicht auf eine Minute an, sondern darauf, dass Sie grundsätzlich das Richtige tun. Sollte ein Anfall länger als 5 Minuten dauern und durch eine Rektiole nicht zu unterbrechen sein, rufen Sie den Notarzt.

Was ist eine Rektiole und wie wende ich sie richtig an?
Eine Rektiole ist eine Art Klistier, das ein anfallsunterbrechendes Medikament in flüssiger Form enthält, meistens Diazepam. Die richtige Dosierung nennt Ihnen Ihr Arzt. Rektiolen werden benutzt, um länger andauernde Anfälle zu unterbrechen.
Der "Stiel" der Rektiole wird behutsam, ähnlich wie ein Fieberthermometer, aber unbedingt vollständig in den Darm eingeführt. Achten Sie vor dem Einführen der Rektiole darauf, daß Sie "das Hütchen" (den Verschluß) der Rektiole entfernt haben. Wenn Sie die Rektiole eingeführt haben, entleeren Sie sie sorgfältig durch Pressen auf die Tube. Achten Sie darauf, das die Rektiole wirklich vollständig entleert ist! Nach dem Entleeren der Rektiole, ziehen Sie sie wieder aus dem Darm heraus. Dabei halten Sie die Rektiole weiter mit Daumen und Zeigefinger gedrückt (andernfalls wird die Flüssigkeit wieder zurück in die Rektiole gesaugt) und pressen gleichzeitig mit der anderen Hand die Pobacken Ihres Kindes für eine Weile fest zusammen, damit der flüssige Inhalt der Rektiole nicht wieder herausfließt. Wenn der Anfall nach Gabe der Rektiole nicht innerhalb von 5 Minuten aufhört, informieren Sie den Notarzt!

Kann ich mein Kind nach einem Fieberkrampf überhaupt noch alleine schlafen lassen?
Diese Sorge quält viele Eltern. Nur bei jedem 3. Kind kommt es zu einem zweiten Fieberkrampf. Da Ihr Kind jedoch meistens fieberfrei ist, sind es nur einige Tage im Jahr, an denen Ihr Kind überhaupt einen weiteren Anfall bekommen kann. Die meisten Fieberkrämpfe hören nach wenigen Minuten von alleine auf und ein kurz andauernder Fieberkrampf fügt Ihrem Kind keinen Schaden zu. Viele Eltern nehmen ihre Kinder zunächst während fieberhafter Erkrankungen zu sich ins Schlafzimmer. Das gibt ihnen mehr Sicherheit und erlaubt gleichzeitig, dass das Kind die meiste Zeit an seinem gewohnten Platz im Kinderzimmer schläft, denn Fieberkrämpfe sind eine in aller Regel gutartige Erkrankung, die nicht dazu führen sollte, dass die Kinder wesentlich anders behandelt werden als ihre Geschwister.


Seite zuletzt geändert am 24.03.09

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