Gesundheitliche Risiken bei Frühgeborenen
Je jünger und kleiner die Kinder sind, umso unreifer sind die Organe und umso schwieriger wird
die Behandlung. Hauptprobleme ergeben sich daraus vor allem für das Gehirn, die Lunge, den Darm und
die Augen.
Gehirn:
Das Gehirn eines Frühgeborenen ist noch in der Entwicklung und sehr sensibel. Da die möglichst
ungestörte Hirnentwicklung Voraussetzung für die spätere Entwicklung ist, achten wir mit der
größten Sorgfalt darauf, schädliche Einflüsse wie z.B. bestimmte Medikamente, Infektionen,
langfristige Beatmung zu vermeiden („Neuroprotektion“).
Frühgeborene haben mit abnehmender Schwangerschaftsdauer ein höheres Hirnblutungsrisiko.
Welche Auswirkungen eine Hirnblutung auf die Entwicklung eines Kindes hat, hängt von der Schwere
und der Lokalisation der Hirnblutung ab.
Wie ein extrem unreifes Frühgeborenes sich später entwickeln wird, ist im Einzelfall während
des Krankenhausaufenthaltes meist nicht vorhersehbar. Aus diesem Grunde sind für alle Frühgeborenen
mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm nach der Entlassung spezielle kinderneurologische
Nachuntersuchungen vorgesehen, die in unserem
sozialpädiatrischen Zentrum durchgeführt werden.


Lunge:
Für die Lunge ist vor allem die körpereigene Produktion eines Stoffes, das Surfactant,
wichtig. Dieses Surfactant führt dazu, dass sich die kleinen Lungenblässchen, die für den
Gasaustausch (Aufnahme von Sauerstoff O2/ Abgabe von Kohlendioxid CO2) zuständig sind, leichter
öffnen und somit der Atemwegswiderstand abnimmt. Die Kinder können leichter atmen. Hat noch keine
ausreichende Eigenproduktion von Surfactant stattgefunden (diese findet erst ab der 30.-32.
Schwangerschaftswoche statt), entwickeln die Kinder ein sogenanntes Atemnotsyndrom. Prophylaktisch
kann versucht werden eine Lungenreifungsförderung schon vor der Geburt durchzuführen, indem die
Mutter mehrmals vor der Geburt Celestan (Kortikosteroid) bekommt. Entwickelt sich nach der Geburt
ein Atemnotsyndrom, kann man künstliches Surfactant in die Lunge des Kindes bringen und so die
Lungenblässchen öffnen und den Gasaustausch normalisieren. Mit einer geeigneten Atemhilfe (CPAP)
können die meisten Kinder daraufhin weiterhin selbständig atmen. Manchmal ist dennoch eine
maschinelle Beatmung über einen Beatmungsschlauch vorübergehend notwendig
Augen:
Eine weitere bei sehr kleinen Frühgeborenen häufige Erkrankung ist die sogenannte
Frühgeborenen Retinopathie, eine Erkrankung der Netzhaut. Auch hier gilt, je kleiner und unreifer
die Kinder sind, umso häufiger tritt die Erkrankung auf. Eine Reihe von Faktoren wie z.B:
Blutdruckschwankungen und Sauerstoffsättigungsschwankungen, Vitamin-E Mangel, Langzeitbeatmung
können zu einer Netzhautablösung führen. Diese führt im schlimmsten Fall zu einer Erblindung.
Unsere therapeutischen Optionen bestehen darin, Schwankungen von Blutdruck und Sauerstoffsättigung
nach Möglichkeit zu vermeiden, auf eine ausreichende Vitamin und Spurenelementversorgung zu achten.
Kommt es zur Netzhautablösungen gibt es
operative
Möglichkeiten oder per Laser die Netzhaut wieder anzuheften.
Darm
Die Unreife des Darmes kann bei sehr kleinen Frühgeborenen oder auch bei Kindern, die zu klein
für die Schwangerschaftsdauer sind Probleme bereiten. Die Darmschichten und die dazugehörigen
Nervenschichten sind noch nicht ausgereift und ermöglichen somit manchmal nur einen unzureichenden
Nahrungstransport und Nahrungsaufnahme. Das kann zur Folge haben, dass Stuhl nicht richtig
transportiert wird und somit ein Verschluss eintreten kann. Bedingt durch passagere
Durchblutungsstörung kann es auch zur sogenannten nekrotisierenden Enterokolitis kommen. Eine
Entzündung des Darmes an einer oder mehreren Stellen, die bis zur Perforation (Darmdurchbruch)
führen kann. In diesen Fällen muss in der Regel eine Operation erfolgen, in der der entzündete
Darmteil entfernt wird und für wenige Wochen ein künstlicher Darmausgang geschaffen wird.
Seite zuletzt geändert am 04.06.09
