Krankheitsbilder der Inkontinenz
Die Schwerpunkte unserer Beratungsstelle am Urologischen Arbeitsplatz im Krankenhaus Merheim sind:
1.
Dranginkontinenz
2.
Belastungs- oder Stressharninkontinenz
3.
Blasenfunktionsstörungen bei Multipler Sklerose oder weiteren
neurologischen Erkrankungen (z.B. M. Parkinson)
4.
Blasenentleerungsstörungen
5.
Blasenfunktionsstörungen im Alter
6.
Chronisches Blasenschmerz- und Harndrangsyndrom /
Interstitielle Zystitis
Harndranginkontinenz (OAB Syndrom) bedeutet
Urinverlust, der von einem nicht unterdrückbaren Harndrang begleitet wird oder dem ein nicht
unterdrückbarer Harndrang vorausgeht. Man kann unterscheiden zwischen einer primären Form, deren
Ursache unbekannt ist, und einer sekundären Form mit bekannter Ursache. Diese Unterscheidung ist
vor allem für die spätere
Therapie
wichtig.
Bei der primären Form kann nur symptomatisch behandelt werden, bei der sekundären Form ist
eine kausale
Therapie
möglich, d. h. durch Beseitigung der zugrunde liegenden Störung kann die
Harndranginkontinenz beseitigt werden. Typische Ursachen für die sekundäre Drangsymptomatik oder
Inkontinenz sind Blasenentzündungen, ein Östrogenmangel in den Wechseljahren, die Radiozystitis,
ein Blasentumor und eine interstitielle Zystitis.
Diagnostisch erfolgt zunächst einmal die genaue Erhebung der Krankengeschichte, dem schließt
sich eine Ganzkörperuntersuchung an. Es folgen Urinuntersuchung, Ultraschalldiagnostik mit
Perinealsonographie. Als spezielle Untersuchungsmethoden schließen sich dann eine Urodynamik und
Blasenspiegelung an. Unter
Urodynamischer Untersuchung versteht man die Untersuchung und Messung der funktionellen,
natürlichen Abläufein der Regel im unteren Harntrakt, durch die eine Beurteilung der
Harnspeicherungs- und Harnentleerungsfunktion der Blase möglich wird. In der Hand des erfahrenen
Urologen sind beide Methoden schmerzfrei.
Die
Therapie
von Patienten mit Harndranginkontinenz umfasst Miktionstraining, Toilettentraining,
medikamentöse
Therapie. Als speziellere
Therapie kommen, Elektrostimulation, Injektion von Botulinum-Toxin in den
Blasenmusek und spezielle Operationen in Frage.
Beim Miktionstraining ist es das Ziel, zu kurze oder zu lange Miktionsintervalle so zu
verändern, dass es zu keinem Urinverlust mehr kommt. Ein Miktionsintervall kann verlängert werden,
in dem der Beckenboden bei Harndrang so lange angespannt wird, bis dieser verschwunden ist. Im
Intervall kann dann die Toilette entspannt aufgesucht werden. Bei zu langen Miktionsintervallen
wiederum ist es sinnvoll, die Blase regelmäßig nach der Uhr, z. B. alle 2 bis 3 Std. zu entleeren.
Ein Toilettentraining kommt bei Patienten in Frage, die zu keiner aktiven Mitarbeit mehr fähig
sind. Durch regelmäßige Blasenentleerung kann das Auftreten eines starken Harndranges verhindert
und so weitgehend Kontinenz erreicht werden. Dieses Training eignet sich vor allem bei betagten
Patienten auch in Verbindung mit einer medikamentösen
Therapie
.
Medikamentöse
Therapie
:
Geeignet sind sog. Anticholinergika (Medikamente, die auf der Wirkung von Atropin
beruhen), die eine Kontraktion der Blasenmuskulatur verhindern können und damit die Blasenkapazität
erhöhen und die Miktionsintervalle verlängern.
Auch eine regelmäßig durchgeführte
Elektrostimulation kann in ausgewählten Fällen eine Harndrangsymptomatik bessern.
Bei Versagen der o. g. konservativen
Therapie
kann durch Injektion von Botulinum-Toxin in die Blasenmuskulatur eine Ruhigstellung der
überaktiven Blase erfolgen. Diese Therapieform wird zurzeit in Deutschland noch „off label“
angewandt, d. h. es handelt sich um ein bisher noch nicht zugelassenes Verfahren, das jedoch in
speziellen Zentren als Therapieform angewendet werden kann und in einem sehr hohen Prozentsatz (90
%) zum Therapieerfolg führt. Sehr selten kann es dabei zu einer kompletten Lähmung des
Blasenmuskels kommen, so dass der oder die Patient/in den Einmalkatheterismus sicher beherrschen
muss, um in diesem Fall die Blase entleeren zu können. Die Wirkung der
Therapie hält zwischen 3 und 9 Monaten an und kann dann beliebig oft wiederholt
werden.
Operative Verfahren: Falls die o. g.
Therapieformen alle versagen sollten, kommen spezielle operative Verfahren in Frage, die
individuell gewählt werden müssen.
Die Harnbelastungsinkontinenz
(Stressinkontinenz) tritt bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Niesen, Lachen, Laufen oder
auch beim Aufstehen, z. B. aus einer liegenden Position heraus, auf. Dieser Form der Inkontinenz
liegt eine Harnspeicherstörung als Folge einer „ Beckenbodenschwäche“ zugrunde. Risikofaktoren sind
die Zahl vaginaler Geburten, mögliche Geburtskomplikationen (wie z. B. Zangengeburt), die
Wechseljahre, eine Gebärmutterentfernung, Übergewicht, Rauchen, chronischer Husten und schwere
körperliche Arbeit, um die wichtigsten zu nennen.
Da es erfahrungsgemäß nicht immer einfach ist, eine Harnbelastungs- von einer
Harndranginkontinenz zu unterscheiden, muss auch hier die genaue Krankengeschichte erhoben werden.
Wie bei der Harndranginkontinenz schließen sich eine Ganzkörper-, eine Urin-, eine
Ultraschalluntersuchung an. Ergänzend empfiehlt es sich besonders bei Mischformen, also wenn eine
Harndrang- und Harnbelastungsinkontinenz kombiniert vorliegen, eine große urodynamische
Untersuchung , eine Blasenspiegelung und ggf. weitere aufwendige Untersuchungen, teils auch mit
Hilfe von Röntgenstrahlen oder durch die Kernspintomographie durchzuführen.
Grundpfeiler der
Therapie
einer Harnbelastungsinkontinenz ist ein aktives Beckenbodentraining, das sich auch
hervorragend als Prophylaxe eignet, damit sich eine Beckenbodenschwäche erst gar nicht zu einer
schweren Harninkontinenz entwickeln kann. Wichtig ist, dass die Beckenbodenmuskulatur korrekt
angespannt werden kann. Erfahrungsgemäß wird ein Beckenbodentraining oft falsch durchgeführt und
leitet dann irrtümlich zu der Ansicht, dass es ja sowieso nichts nützt.
Das Training selber besteht vor allem aus Muskelkontraktionsübungen, bei denen die
Therapiedauer, die Anspannungsdauer und auch die Dauer der Pausenintervalle festgelegt werden
sollten. Technische Hilfsmittel, z. B. Kombinationsgeräte Biofeedback- und Elektrostimulation
eignen sich hervorragend, um das Gefühl für den Beckenboden zu schulen die Beckenbodengymnastik
korrekt durchzuführen. Bei einem Biofeedback-Verfahren wird die Beckenbodenanspannung mit Hilfe von
z. B. visuellen Signalen bewusst gemacht. So weiß der Betreffende, dass er korrekt anspannt. Die
Erfolgsrate liegt bei der Harnbelastungsinkontinenz I. Grades, also bei geringem Urinverlust, bei
80 % und bei der II. Grades bei 50 %, wobei hier der Befund zumindest verbessert werden kann.
Neben der Beckenbodengymnastik gibt es auch für ausgewählte Fälle die Möglichkeit einer
medikamentösen
Therapie
. In Studien profitierte jede 2. Frau von einer solchen medikamentösen
Therapie. Zu beachten sind jedoch mögliche unerwünschte Nebenwirkungen wie
Verstopfung, Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit, die manchmal zum Therapieabbruch führen können.
Bei erfolgloser konservativer
Therapie
stehen auch hier verschiedene operative Therapiemöglichkeiten zur Wahl, die individuell
gewählt werden müssen. Heute wird häufig ein spannungsfreies Band unter die Harnröhre gelegt, um
ein Widerlager gegen den Urinverlust bei Belastung zu schaffen. Aber auch bei diesem Verfahren muss
genau darauf geachtet werden, dass sich die betreffende Patientin auch dafür eignet. Hier arbeiten
wir eng mit der Frauenklinik im Krankenhaus Holweide zusammen.
3. Blasenfunktionsstörungen bei Multipler
Sklerose oder weiteren neurologischen Erkrankungen ( z. B. M. Parkinson)Fast alle Patienten mit Multipler
Sklerose oder Morbus Parkinson
haben Blasenfunktionsstörungen. Meistens liegt eine Harndranginkontinenz, oft auch
in Verbindung mit Restharn, vor. Folge des erhöhten Restharnes sind Blasenentzündungen.
Diagnostisch wird durchführt zum einen eine Ganzkörperuntersuchung mit neurologischem Status,
eine Urinuntersuchung, ein Ultraschall mit Beurteilung der Nieren und des Restharnes. Zusätzlich
empfiehlt sich die Durchführung einer Urodynamik, bei der die Druckverhältnisse in der Blase
geklärt werden können. Eine große elektrophysiologische Untersuchung bei unseren Neurologen klärt
das Ausmaß der Störung weiter ab.
Oberstes Ziel der
Therapie
ist das Erreichen von Kontinenz. Dazu wird eine medikamentöse
Therapie mit einem sog. Anticholinergikum eingeleitet, das den Blasenmuskel
ruhig stellt und so eine Harndranginkontinenz beseitigen kann. Sollten erhöhte Restharnmengen
vorliegen, empfiehlt sich die Durchführung des intermittierenden Selbstkatheterismus zumindest 2 x
täglich, morgens und abends. Daneben kann die Spontanmiktion noch durchgeführt werden. Diese
Maßnahmen sollten begleitet werden von einer Langzeitprophylaxe gegen Blasenentzündungen. Der
Selbstkatheterismus ist sowohl von Frauen wie auch von Männern einfach zu lernen und schmerzfrei
durchzuführen. Voraussetzung ist eine intakte Hand- und Augenfunktion.
Eine neue Alternative bei möglichem Versagen der medikamentösen
Therapie
stellt die Injektion von Botulinum A-Toxin in den Blasenmuskel dar. Notwendig ist dazu
die Durchführung einer Kurznarkose und ein stationärer Klinikaufenthalt von 3 Tagen. Injektion von
Botulinum A-Toxin ist ein derzeit noch nicht zugelassenes Verfahren, das jedoch als off label use
an einigen Zentren regelmäßig durchgeführt wird. Derzeit laufen multizentrische
Zulassungsverfahren.
Blasenentleerungsstörungen äußern sich zum einen als
Problem mit der Harnspeicherung. Symptome sind gehäuftes Wasserlassen tags und nachts, Harndrang
und Urinverlust. Zum anderen äußern sie sich als Problem bei der Harnentleerung, bei der
Harnstrahlabschwächung, Startverzögerung, Wasserlassen mit Hilfe der Bauchpresse und Restharn als
Symptome auftreten. Häufigste Ursachen für Blasenentleerungsstörungen sind ein
Diabetes
mellitus, chronischer Alkoholismus, Schädigung der Nerven des Rückenmarkes,
Bandscheibenvorfall, eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostataadenom) und eine
Harnröhrenenge.
Als Diagnostik eignen sich eine genaue Erhebung der Krankengeschichte, ein Ganzkörperstatus,
Ultraschalldiagnostik und eine Urinuntersuchung. Spezielle Diagnoseverfahren sind eine
Blasendruckmessung (Urodynamik). Die Urodynamik untersucht und misst die funktionellen Abläufe im
Harntrakt, bei der sowohl die Harnspeicherungs- und auch Harnentleerungsfunktion der Blase
beurteilt werden können. Zum anderen schließt sich meistens eine Blasenspiegelung an.
Die
Therapie
hängt von der zugrunde liegenden urologischen Erkrankung ab. So muss bei einem
bestehenden Prostataadenom und einer Harnröhrenenge eine chirurgische Sanierung erfolgen. Bei lange
bestehenden Abflusshindernissen wie Prostataadenom oder Harnröhrenenge kann es zu einer Erhöhung
des Restharnes in der Blase kommen, d. h. die Blase kann sich nicht mehr vollständig entleeren.
Durch diese hohen Restharnmengen kann es zu einer chronischen Überdehnung der Blasenmuskulatur
kommen mit der Folge, dass ihre Kontraktionskraft nicht mehr ausreicht, um eine Spontanmiktion zu
ermöglichen. Falls dies der Fall ist, muss vor einer geplanten chirurgischen Sanierung zunächst
eine Dauerableitung der Blase erfolgen, damit sich die Blasenmuskulatur evtl. wieder erholen kann.
Manchmal
Blasenfunktionsstörungen und insbesondere die
Inkontinenz sind infolge ihrer medizinischen, psychischen und sozialen Konsequenzen ein zentrales
Problemen der immer älter werdenden Bevölkerung.
Ursachen und Häufigkeit:
Mindestens jeder 2.-3. ältere Mensch ist davon betroffen und die Inkontinenz liegt an 4.
Stelle der Alterserkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen am meisten einschränkt. Daher
sollten die Patienten in der ärztlichen Praxis oder Klinik auf das Problem einer
Blasenfunktionsstörung oder Harninkontinenz angesprochen werden.
Weitere Blasenprobleme im Alter sind immer wieder kehrende Blasenentzündungen, die oft die
Inkontinenz verschlechtern, sowie ein vermehrtes nächtliches Wasserlassen (Nykturie).
Ursachen von Blasenfunktionsstörungen im Alter sind Alterungsprozesse im Gehirn, der
Nervensteuerung und Muskulatur von Blase und Schließmuskel. Zusätzlich kommt bei Frauen ein
Östrogenmangel und die Folgen von Schwangerschaften, Geburten oder Operationen hinzu. In der Regel
zu wenig beachtete weitere Faktoren sind zudem bestehende Grunderkrankungen und deren Behandlung
mit Medikamenten, die Nebenwirkungen auf Harnspeicherung oder -ausscheidung haben.
Abklärung:
Der Umfang der Abklärung sollte sich individuell nach dem Symptomen, dem Alter und
Allgemeinzustand und auch den Wünschen und Erwartungen, demnach dem Leidensdruck des Betroffenen
richten. Grundlage für die Abklärung älterer Patienten mit Blasenfunktionsstörungen ist die
Basisdiagnostik. Sie besteht aus einer gezielten
Anamnese
, klinischen Untersuchung, der Harnanalyse, einer Restharn¬bestimmung und dem Trink- und
Blasentagebuch. Gerade beim alten Menschen müssen oft konkrete Fragen gestellt werden, die über
Zeitpunkt, Ausmaß und möglicher Ursachen der Inkontinenz Auskunft geben. Wichtig sind die
ausführliche medikamentöse und neurologische
Anamnese und die
Anamnese vorausgegangener Erkrankungen. Auch sollte der Leidensdruck evaluiert
werden, da er die weiteren Massnahmen und therapeutischen Konsequenzen wesentlich mitbestimmt.
Behandlungsmöglichkeiten:
Vorrangig ist eine gute Hilfsmittelversorgung damit sich der Betroffene sicher in seiner
Umgebung bewegen kann und eine Umstellung evtl. Inkontinenz fördernder Medikamente. Durch ein
gezieltes Blasentraining und Toilettentraining kann die Inkontinenz gebessert werden.
Medikamente zur Blasendämpfung können die Blasenkapazität steigern, den Harndrang dämpfen und
die Kontinenz verbessern.
Falls eine übermäßige nächtliche Urinproduktion vorliegt, lässt sich medikamentös
(Desmopressin, z.B. Minirin) die Urinbildung reduzieren.
Bei Männern kann auch die medikamentöse oder operative Behandlung einer Prostatavergrößerung
angezeigt sein.
Bei Schließmuskelschwäche ist auch bei der älteren und alten Frau durchaus die Operation mit
einem spannungsfreien Band erfolgreich möglich.
Chronische Blasenschmerz- und Harndrangsyndrome
sowie die interstitielle Zystitis (IC) stellen mit ihren oft quälenden Schmerzen und den sehr
häufigen Toilettengängen tags und nachts für die betroffenen Patienten eine große Belastung dar.
Oftmals haben die betroffenen Patienten bereits eine Odyssee hinter sich und haben sich schon bei
einer Vielzahl von Ärzten vorgestellt, ohne dass man ihnen nachhaltig helfen konnte.
Häufigkeit und Ursachen:
Chronische Schmerz- und Drangsyndrome sowie die IC können grundsätzlich bei Männern und
Frauen jeden Alters und jeder Herkunft auftreten. Frauen sind jedoch häufiger davon betroffen. Die
Symptome können sehr vielfältig sein, typisch ist ein starker unerträglicher Harndrang, der zu
häufigem Wasserlassen am Tag und in der Nacht zwingt. Nicht selten müssen die Betroffenen 60 Mal
und mehr, davon oft 20 Mal in der Nacht zur Toilette, so dass keine erholsame Nachtruhe mehr
möglich ist.
Ein Urinverlust besteht allerdings in der Regel nicht. Vielmehr treten bohrende oder
schneidende Schmerzen in der Blase, Harnröhre und im gesamten Unterleib auf. Häufig finden sich
zusätzliche Magen- und Darmbeschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fibromyalgie, Allergien oder
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
Der chronische Blasenschmerz ist kein homogenes Krankheitsbild, sondern kann ganz
unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigsten Ursachen sind Harnwegsinfektionen, Infektionen der
inneren Geschlechtsorgane, Verwachsungen im Unterleib als Folge einer OP, eine Chlamydieninfektion
der Scheide, muskuläre Verspannungen im gesamten Beckenbodenbereich oder die sog. interstitielle
Zystitis. Oft finden sich Veränderungen in der Blasenschleimhaut. Auch psychogene Faktoren
als Folge von sexuellen Problemen, Partnerschaftsproblemen oder traumatischen Erlebnissen wie
sexuellem Missbrauch können zugrunde liegen. Zusammenhänge gibt es auch zu rheumatischen,
allergischen oder Autoimmun-Krankheiten.
Abklärung:
Vor einer Behandlung sollte nach möglichen Ursachen geforscht werden, die dann gezielt
behandelt werden können. Neben ausführlichen Beratungsgesprächen und allgemeinen körperlichen
Untersuchungen können Untersuchungen wie Blasendruckmessungen, Blasenspiegelungen ohne und mit
Narkose, Blasendehnung oder zusätzlicher Gewebeprobeentnahme zur Diagnosesicherung nötig sein.
Therapeutische Möglichkeiten:
Zielsetzung der
Therapie
ist eine Verringerung der vorhandenen Schmerzen oder eine bessere psychische
Verarbeitung der Schmerzen sowie eine Reduktion der Toilettengänge, insbesondere in der Nacht. Da
die meisten Patienten bereits eine Vielzahl von Behandlungsverfahren erhalten haben, lässt sich
kein Standardbehandlungschema aufstellen. Vielmehr wird bei der Aufnahmeuntersuchung nach
eingehendem Gespräch mit dem Patienten und der Durchsicht der vorliegenden Vorbehandlungsberichte
ein individueller Plan zur Behandlung zusammengestellt. Der Effekt der durchgeführten Maßnahmen
wird in regelmäßigen Abständen überprüft und bei Bedarf eine Anpassung vorgenommen.
Neben einer oft sehr langwierigen medikamentösen
Therapie
haben sich Spülbehandlungen der Blase mit speziellen, die Blasenschleimhaut
regenerierenden Substanzen (Pentosanpolysulfat) bewährt.
Ergänzend können sich Änderungen der Ernährung, „Reizstrombehandlung des Beckenbodens“,
natürliche Kohlensäurebäder, Wechselduschen, Massagen, Fangopackungen von Schulter-, Nacken-, LWS-
und Harnblasenregion, Wassertreten, Biofeedback des Beckenbodens, Beckenbodengymnastik,
Fußreflexzonenmassage, Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik, Muskelrelaxation nach Jacobson,
psychologische Einzelgespräche positiv auswirken.
Medikamenten ist möglich. Diese Behandlung ist oft der letzte Ausweg aus der scheinbar
auswegslosen Situation der Betroffenen, obwohl auch hier oft jahrelange regelmäßige Eingriffe nötig
sind. Auch die Injektion von Botulinum A Toxin in die Blasenmuskulatur kann den Schmerz und Drang
in Einzelfällen lindern.
