Als Viszeralchirurgie bezeichnet man die operative Behandlung von Erkrankungen des Bauchraumes sowie der Organe, die sich im Bauchraum befinden. Dazu zählen auch operative Maßnahmen zur Gewichtsreduktion.

Adipositaschirurgie

Narbenfreie Gallenblasenentfernung bei der Frau

Die NOTES-Technik ermöglicht narbenfreie Operationen, Foto: Kletr - Fotolia

Die so genannte Schlüsselloch-Chirurgie hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen unaufhaltsamen Siegeszug zum Wohle der Patientinnen und Patienten genommen, so dass inzwischen selbst große bauchchirurgische Eingriffe per Bauchspiegelung durchgeführt werden können. Eine konsequente Weiterentwicklung findet momentan statt, den Weg zum erkrankten Organ über natürliche Körperöffnungen zu wählen, um die bislang notwendige Bauchdeckenverletzung zu vermeiden, die Operationen letztlich narbenfrei durchführen zu können.

 

Natürliche Körperöffnungen ermöglichen narbenfreie Operationen

Es wird weltweit an diesem neuen Konzept, dem so genannten „NOTES“, geforscht. Die Abkürzung steht dabei für: Chirurgie über natürliche Körperöffnungen (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery). Der Versuch, über den Mund/Speiseröhre/Magen oder den After/Mastdarm mit flexiblen Geräten Operationen am Magen-Darm-Trakt durchzuführen, hat sich jedoch noch nicht in der klinischen Routine durchsetzen können. Der Trend zur narbenlosen Chirurgie setzt sich dennoch im klinischen Einsatz fort.

 

Bewährtes OP-Verfahren der Frauenheilkunde wurde weiterentwickelt

Dabei hat sich inzwischen eine Sonderform der Gallenblasenoperation auch an unserer Klinik etabliert, die zwei bekannte und bewährte Operationsverfahren kombiniert. Hierfür wird die Gallenblase über einen in der Gynäkologie seit etlichen Jahren z.B. im Rahmen der sog. Fertilitätsdiagnostik bekannten Zugang über die Scheide entfernt. Es werden die normalen Instrumente wie bei anderen herkömmlichen Bauchspiegelungsoperationen verwendet sowie ein kleiner, später nicht mehr sichtbarer Hilfsschnitt in der Nabelgrube durchgeführt. Die eigentliche Operation an der Gallenblase selbst unterscheidet sich nicht von den bisherigen Methoden. Durch die Kombination von etabliertem Zugang über die Scheide und des Hilfszugangs am Nabel kann ein kosmetisch optimales Ergebnis bei weiblichen Patienten erreicht werden. 

Grafik: ©  Vera Zimperfeld - Media Mädel - für  Kliniken der Stadt Köln

Bei der sog. NOTES-Operation wird die Gallenblase bei Frauen nur über natürliche Körperöffnungen entfernt, ein Zugang erfolgt durch die Scheide, der andere durch den Bauchnabel.

Operiert wird mit einer 45 Grad-Winkeloptik mit nur einem Zentimeter Durchmesser, sowie nur halb so dünnen Fasszangen zum Entfernen der Gallenblase.

Die Winkeloptik und ein Instrument werden durch die Scheide eingeführt, das zweite Instrument durch den Bauchnabel.

Grafik: ©  Vera Zimperfeld - Media Mädel - für  Kliniken der Stadt Köln

 

Diese Grafik zeigt die Operationssituation in der Seitenansicht. Das linke Instrument wird durch eine kleine Öffnung im Bauchnabel eingeführt. Durch einen kleinen Schnitt im hinteren Scheidengewölbe werden das zweite Instrument und die Kamera incl. Beleuchtung eingebracht.

Durch dieses Verfahren werden Schnitte durch die Bauchdecke verhindert. Ein größerer Bauchschnitt birgt immer das Risiko von Schmerzen, Narbenbrüchen und Verwachsungen nach der Operation.

Auf dem Monitor ist das Operationsfeld in Großansicht zu sehen, wie es der Operateur sieht. Die Gallenblase ist auf dem Bild in grün gezeichnet.

Weniger Schmerzen, schnellere Genesung, geringeres Folgerisiko

Neben dem kosmetischen Aspekt gibt es aber auch weitere Argumente für die narbenfreie Operation. Der Zugang durch die Bauchdecke macht einen Großteil der Probleme nach einer Operation für die Patientinnen aus. Ein größerer Bauchschnitt macht mehr Schmerzen, eine Entzündung der Wunde ist mit zunehmender Größe schwerwiegender, das Risiko von Narbenbrüchen und Verwachsungen größer. Bei der herkömmlichen Bauchspiegelungsoperation muss der Schnitt so groß gewählt werden, dass die Gallenblase mit den Steinen aus dem Bauch entfernt werden kann. Somit vergrößert sich der notwendige Berge-Schnitt mit der Größe und Anzahl der Gallenblasensteine.

Die Entfernung der Gallenblase ist üblicherweise wegen eines Steinleidens, manchmal auch wegen einer akuten Entzündung notwendig. Bei der Operation werden der Gallenblasengang und die Gallenblasenarterie verschlossen und durchtrennt sowie die immer vorliegenden Verklebungen der Gallenblase zur Leber gelöst, um die Gallenblase mit den Steinen entnehmen zu können.

Erfahrene Operateure beraten Sie bei der Wahl des für Sie besten Verfahrens

Die Operation nach dem NOTES - Verfahren wurde in unserer Klinik unter gynäkologischer Mitarbeit eingeführt und hat bei uns inzwischen Eingang in die Routine bei der geplanten Gallenblasenoperation gefunden. Unsere NOTES-Operationen werden zur Qualitätssicherung im NOTES-Register der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie erfasst. Somit ist die narbenfreie Gallenblasenoperation bei der Frau Realität geworden, da der wenige Millimeter kleine Schnitt in der Tiefe der Nabelgrube keine sichtbare Narbe hinterlässt. Sollte bei Ihnen eine Gallenblasenoperation notwendig sein oder Sie aus anderen Gründen Fragen zu diesem Operationsverfahren haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.
Gerne senden wir Ihnen unser Faltblatt "Die narbenfreie Gallenblasenentfernung bei der Frau" zu. Sie können das Faltblatt auch als pdf-Datei   herunterladen.

Studien:

  1. Prospektive Kohortenstudie zum Vergleich der transvaginalen/transumbilikalen Cholezystektomie (Hybrid-N.O.T.E.S.) mit der herkömmlichen laparoskopischen Technik:
    beendet
  2. Nadelskopische versus transvaginale/transumbilicale Cholezystektomie - Eine randomisierte klinische Studie (NATCH):
    in der Rekrutierung.
    Infos unter www. drks.de oder in diesem PDF-Dokument 
Seite zuletzt aktualisiert am 09.03.2017 Seite Drucken